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Vortragsreihe: Grammatik in der Alphabetisierung

Vortragsreihe: Grammatik in der Alphabetisierung

© LeibnizWerkstatt
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Der Vortrag am 27.11.2019 stand ganz im Zeichen des Sprachunterrichts: Dr. Judith Böddeker von der Universität Münster informierte die Interessierten über Theorie und Praxis der Grammatikvermittlung im Alphabetisierungsunterricht.

Zu Beginn ihres Vortrages hat Bödekker eine Einführung zu der Heterogenität der Teilnehmenden eines Alphabetisierungskurses gegeben. Die Gruppe der Analphabetinnen und Analphabeten, die auch als Menschen mit geringer Literalität bezeichnet werden, ist selbst sehr divers. Unter den Primäranalphabetinnen und Primäranalphabeten versteht man diejenigen, die weder in ihrer Herkunftssprache noch in einer anderen Sprache alphabetisiert wurden und bisher mit noch keinem Schriftsystem vertraut sind.

Die Zweitschriftlernenden hingegen können bereits in mindestens einer Sprache lesen und schreiben, weshalb sie sich meistens auch schneller ein neues Schriftsystem aneignen können. Die letzte zu unterscheidende Gruppe bilden die funktionalen Analphabetinnen und Analphabeten. Die Mitglieder dieser Gruppe haben zwar zu einem Zeitpunkt lesen und schreiben gelernt, es dann aber wieder verlernt oder noch nie vollständig die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben erwerben können.

Im weiteren Teil hat Bödekker auf drei verschiedene Prinzipien aufmerksam gemacht, die in einem Alphabetisierungskurs Berücksichtigung finden. Darunter fällt das Didaktische Prinzip, das die Erarbeitung vom Leichten zum Schweren beinhaltet, das Pragmatische Prinzip, welches sich auf die Inhalte konzentriert, die auch tatsächlich in der Praxis vorkommen und ihre Anwendung finden, und das Sprachsystematische Prinzip, das die Vorkommenshäufigkeit der gelernten Inhalte berücksichtigt.

Des Weiteren wurde in Bödekkers Vortrag auch auf die methodischen Elemente eingegangen, die sich für Übungen zur Grammatikvermittlung eignen. In diesem Zusammenhang wurden z. B. die Montessori-Wortart-Symbole-Methodik oder auch die Morphem-Häuser thematisiert, die sich in einigen Alphabetisierungslehrwerken wiederfinden.

Ein weiterer Bereich, der im Vortrag Erwähnung fand, lag in der Wortschatzvermittlung. Gerade die mündliche Kommunikation und die Aneignung eines sprachlichen Repertoires sind für einen Alphabetisierungskurs unabdingbar. Hierfür eignen sich vornehmlich Vokabellernmethoden, die sich mit Bildquellen kombinieren lassen. Bödekker selbst hat verschiedene Methoden in Alphakursen testen lassen, dabei wurde das Lernen von Vokabeln mit Karteikarten, Wortschatzkarten oder auch Vokabellisten am positivsten aufgenommen.

Zum Ende des Vortrags wurden im Plenum praktische sowie auch inhaltliche Schwierigkeiten diskutiert, die sich in solchen Kursen ergeben können und dringlichen Verbesserungsbedarf aufzeigen.

(Siham Schotemeier)

Verfasst von Team LeibnizWerkstatt