Prof. Dr. Ruth Mayer

Ruth Mayer (Englisches Seminar) hat einen Vortrag zur literarischen Bearbeitung chinesischer Immigrationsgeschichte in der Reihe »mittwochs um vier« gehalten.

ZUR PERSON

Prof. Dr. Ruth Mayer ist Professorin für American Studies an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Globalisierungs- und Transnationalisierungsbewegungen, populäre Serialität sowie Massenkultur und Modernität. Ihre Publikationen umfassen Diaspora (transcript, 2005), die Herausgaben Trans-Pacific Interactions: The United States and China, 1880-1950 (mit Vanessa Künnemann, Palgrave Macmillan, 2009) und Chinatowns in a Transnational World (mit Vanessa Künnemann, Routledge, 2011) sowie Serial Fu Manchu: The Chinese Super-Villain and the Spread of Yellow Peril Ideology (Temple UP 2014).

VORTRAG IN DER REIHE »MITTWOCHS UM VIER«

WiSe 2016/17
›Papieridentitäten‹. Zur chinesischen Immigrationsgeschichte in den USA, 1890-1930

In diesem Vortrag geht es um Strategien der Identifikation im Kontext von Immigrationsprozessen. Identifikation meint dabei sowohl die Selbstverortung in einer bestimmten Gruppe (also einer Familie, einer community, einem Staat), als auch Techniken der polizeilichen oder legalen Identifizierung (also die Registrierung von Staatsbürgern, die Ausstellung von Pässen oder anderen ›Identitätspapieren‹ etc.). Beide Facetten des Konzepts sind eng miteinander verbunden, wenngleich alles andere als deckungsgleich, und sie sind darüber hinaus komplex mit den Begriffen Geschlecht und Sexualität verknüpft. 

Als ›Fallstudie‹, um die Vielschichtigkeit des Phänomens und seine theoretischen Implikationen in den Griff zu bekommen, dient die Geschichte der chinesischen Immigration in die USA und hier insbesondere die Periode der sogenannten ›Chinese Exclusion‹ (1882-1943). In dieser Phase der amerikanischen Immigrationsgeschichte wurden Fragen der Zugehörigkeit und des Ausschlusses, aber auch der ›Normalität‹ und ›Devianz‹ besonders hitzig debattiert. Gegen die chinesische Immigration wurde dabei prominent der Verdacht ins Feld geführt, chinesische Einwanderer_innen seien unfähig, sich der bürgerlichen Werteordnung der amerikanischen Gesellschaft zu erschließen. Der Vortrag lotet die Parameter dieser historischen Debatte mit Bezug auf ihre unterschiedlichen - literarischen, politischen, sozialen - Resonanzen aus.