Prof. Dr. Simona Leonardi

Simona Leonardi (Universität Neapel, Italien) hat einen Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier« gehalten. Ihr Beitrag zu Metaphern in der Migration findet sich im 2019 erschienenen Sammelband »Sprache, Flucht, Migration«.

ZUR PERSON

Simona Leonardi studierte Germanistik und Anglistik in Pisa, Saarbrücken und Marburg; Promotion in Germanischer Philologie, Florenz 2000. Seit 2002 ist sie Professorin für Germanische Philologie an der Universität Federico II, Neapel. Neben Historischer Semantik und Pragmatik sind ihre Forschungsschwerpunkte Metaphernanalyse und Gesprächsanalyse, v.a. in den mündlichen Erzählungen aus Bettens Interviewkorpus »Emigrantendeutsch in Israel«. 2016 ist der von Anne Betten, Eva-Maria Thüne und ihr herausgegebene Sammelband  »Emotionsausdruck und Erzählstrategien in narrativen Interviews« erschienen, dessen Beiträge sich auf dieses Korpus beziehen.

VORTRAG IN DER REIHE »MITTWOCHS UM VIER«

WiSe 2017/18
Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus Nazi-Deutschland

Die Grundlage des Vortrags bilden narrative Interviews mit jüdischen Emigrant_innen aus deutschsprachigen Gebieten Europas, die meistens in den 1930er Jahren nach Palästina auswanderten. Es wird der Frage nachgegangen, wie die mit der Erfahrung der Migration zusammenhängenden Erlebnisse der Bindungen bzw. der Brüche in der eigenen Lebensgeschichte und die damit verbundene Frage nach der Identität häufig durch metaphorische Formulierungen zum Ausdruck gebracht werden. Eine Metaphernanalyse soll dabei helfen, auf verschiedene Facetten der narrativen Identitätskonstruktion zu fokussieren, Facetten, die in den Interviews nicht immer bewusst gesteuert werden. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwieweit Metaphern für die Kodierung emotional beladener Äußerungen verwendet werden, d.h. wie sie zum Emotionspotential der Texte beitragen.

BEITRAG IM SAMMELBAND 2019

Metaphern in der Migration: Analyse narrativer Interviews mit deutschsprachigen Emigrant_innen aus dem nationalsozialistischen Machtbereich [Beitrag 2]

Keywords

  • Biographische Interviews,
  • Deutsche Sprache in Israel,
  • Britisches Palästina,
  • Diskursanalyse,
  • Metaphernanalyse,
  • Israelkorpus,
  • Antisemitismus.

Abstract

»Die Grundlage des Beitrags bilden drei in den 1990er-Jahren in Israel erhobene narrative Interviews mit ehemaligen Emigrant_innen, die zwischen 1932 und 1945 aus deutschsprachigen Gebieten Europas nach Palästina auswanderten. Ihre Lebensgeschichten zeigen, wie Migrationen aufgrund von Bedrohung und Verfolgung die Geschichte Europas schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt haben. Eine Metaphernanalyse der Interviews offenbart verschiedene Aspekte der komplexen Beziehung der Interviewten zur Erfahrung der (erzwungenen) Migration und zu den damit verbundenen Emotionen, allen voran den Aspekt des traumatischen Bruchs und der Angst sowie das Gefühl des Bedroht-Seins. Wiederkehrende metaphorische Phraseologismen wie auch die Wiedergabe nationalsozialistischer Parolen weisen zudem darauf hin, dass diese kulturell und gesellschaftlich verankerte Sinnstrukturen verdichten.« (Simona Leonardi 2019: 75)