Prof. Dr. Marijana Kresić

Marijana Kresić (Universität Zadar, Kroatien) hat einen Vortrag zur Sprache und Migration aus kontaktlinguistischem Blick in der Reihe »mittwochs um vier« gehalten.

ZUR PERSON

Marijana Kresić studierte deutsche und englische Sprache und Literatur an der Leibniz Universität Hannover, wo sie im Jahr 2005 zum Thema «Sprache, Sprechen und Identität» im Fach Germanistische Sprachwissenschaft promovierte. Seit 2009 ist sie am Institut für Linguistik der Universität Zadar tätig, zunächst als Assistenzprofessorin und seit 2014 als außerordentliche Professorin. Von 2010 bis 2013 wurde unter ihrer Leitung das Forschungsprojekt «Transfer als Strategie beim Fremdsprachenlernen» durchgeführt, das von der Kroatischen Stiftung für Wissenschaft (HrZZ) und von der Universität Zadar finanziert wurde. Derzeit ist sie als Partnerin am Forschungsprojekt «Coordinated Research in the Experimental Morphosyntax of South Slavic Languages (EMSS)», (Projektleiter Andrew Nevins, University College London) sowie am internationalen Projekt «Croatian in Contact with other Languages» (Projektleiter: Jim Hlavač, Monash University, Australien) beteiligt. Marijana Kresić forscht und veröffentlicht zu den Themen Zweit- und Tertiärspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Deutsch als Fremdsprache, Sprache und Identität sowie zur Kontrastiven Linguistik

 

 

VORTRAG IN DER REIHE »MITTWOCHS UM VIER«

SoSe 2017
Migration und Sprachkontakt am Beispiel kroatischstämmiger Sprecher_innen in Hannover

Tiefgreifende politische Umwälzungen, damit einhergehende Repressionen, wirtschaftliche Krisen und kriegerische Auseinandersetzungen kennzeichneten die gesellschaftliche Wirklichkeit im ehemaligen Jugoslawien und seinen Nachfolgestaaten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. In diesem Kontext kam es zu einer Auswanderung und Flucht von Kroat_innen aus ihrer Heimat u.a. in die USA, nach Südamerika, Australien sowie in den Nordwesten Europas, und dort insbesondere in die Bundesrepublik Deutschland. 

Der Vortrag berichtet über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, das den Sprachgebrauch und damit einhergehende Sprachkontaktphänomene unter ausgewanderten Kroatischsprecher_innen weltweit in verschiedenen Ländern untersucht. Im Fokus des Vortrags ist das auf Deutschland bezogene Teilprojekt, für das die folgenden Arten von Sprachdaten in Hannover erhoben wurden: Beobachtungen des herkunftssprachlichen Unterrichts für kroatische Schüler_innen, Diskussionsgruppen sowie halbstrukturierte Interviews mit erwachsenen Kroatischsprechenden zu Themen wie Spracherwerb und Sprachbewahrung, zur individuellen Migrationsbiographie und zu Fragen des Sprachgebrauchs und Sprachkontakts. Die Daten wurden soziolinguistisch im Hinblick auf Spracheinstellungen sowie die Selbstwahrnehmung und -positionierung als mehsprachige_r Sprecher_in analysiert. Zudem wurde das Material hinsichtlich kontaktlinguistischer Phänomene in den Bereichen Wortschatz, Morphologie und Syntax untersucht. Die so gewonnenen Einsichten lassen sich mitunter auch auf andere Fälle von Migration und Sprachkontakt übertragen.