Dr. Marta Estévez Grossi

Marta Estévez Grossi (Romanisches Seminar) hat einen Vortrag in der Reihe »mittwochs um vier« gehalten. Ihr Aufsatz zur Sprachmittlung und Gastarbeitendenmigration findet sich im 2019 erschienenen Sammelband »Sprache, Flucht, Migration«.

ZUR PERSON

Marta Estévez Grossi war nach ihrem übersetzungswissenschaftlichen Studium an der Universität Vigo, Spanien, zunächst als Lektorin für Galicisch an der Freien Universität Berlin tätig. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Stiftung Universität Hildesheim, wo sie 2017 zum Thema »Die galicische Arbeitsmigration in Hannover: Akkulturationsstrategien und Community Interpreting« promovierte. Aktuell ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Leibniz Universität Hannover und zudem Dozentin bei der jährlichen Schulung für Interkulturelle Dolmetscher_innen der Stadt Braunschweig.

VORTRAG IN DER REIHE »MITTWOCHS UM VIER«

WiSe 2017/18
Community Interpreting in Deutschland: eine Lehre aus der Gastarbeiter_innenmigration

Mit der Unterzeichnung von verschiedenen Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Mittelmeerländern ab dem Jahr 1955 konstituierte sich die BRD de facto als ein Einwanderungsland. Trotz der großen Anzahl von Arbeitsmigrant_innen, die in den nächsten Jahrzehnten nach der BRD kamen, bekannte sich die BRD erst 2000 offiziell als solche. Das erste Zuwanderungsgesetz mit Maßnahmen für die (sprachliche) Integration der Migrant_innen wurde 2005 eingeführt. Diese Maßnahmen sind allerdings stark auf den Spracherwerb der deutschen Sprache fokussiert. Die Tatsache, dass es Personen geben kann, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig und (vielleicht auf Dauer) auf Sprachmittlung angewiesen sind, wird ausgeblendet. Die Nichtbeteiligung des Aufnahmestaates an der Organisation von Dolmetschdienstleistungen im sozialen Bereich kann allerdings verschiedenen Risiken mit sich bringen. 

In diesem Vortrag möchte Frau Grossi auf die sprachliche Situation der Gastarbeiter_innen in der BRD, mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs, eingehen. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik, als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft, und das Community Interpreting, als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie, bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse. 

Obwohl die BRD sich bekanntlich nicht an der Organisation von Sprachmittlungsdiensten beteiligte, wurde dieser sprachmittlerische Bedarf sowohl von den Migrant_innen selbst als auch von einer Reihe von spanischen Institutionen gedeckt. Diese Institutionen, die mit der expliziten Unterstützung des spanischen Regimes Francos agierten, sollten allerdings nicht nur die Migrant_innen in der Migration unterstützen, sondern sie auch ideologisch beeinflussen und überwachen.

 

 

BEITRAG IM SAMMELBAND 2019

Sprachen und Sprachmittlung in der Gastarbeitendenmigration: die galicischen Arbeitsmigrierten in Hannover [Beitrag 3]

Keywords

  • Community Interpreting,
  • Migrationslinguistik,
  • Arbeitsmigration,
  • Gastarbeitende,
  • Minderheitensprachen,
  • galicische Migration,
  • spanische Migration.

Abstract

»Der Aufsatz beschäftigt sich mit der sprachlichen Situation der Gastarbeitenden in der Bundesrepublik Deutschland mit besonderer Berücksichtigung ihres Sprachmittlungsbedarfs. Der Fokus soll auf der Lage einer Sprecher_innengemeinschaft einer Minderheitensprache im Migrationskontext liegen, die der eigenen Territorialsprache nicht vollständig mächtig ist. Dafür wird exemplarisch die galicische Arbeitsmigration in der Stadt Hannover aus sprachwissenschaftlicher Sicht vorgestellt und ihre sprachmittlerischen Praktiken anhand eines dolmetschwissenschaftlichen Ansatzes erläutert. Die Migrationslinguistik als Teildisziplin der angewandten Sprachwissenschaft und das Community Interpreting als Teildisziplin der Dolmetschwissenschaft und Translatologie bilden die theoretischen Grundlagen der Analyse.« (Marta Estévez Grossi 2019: 95)