Vortragsreihe: Struktur als Halt

© LeibnizWerkstatt
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Den Abschluss der Vortragsreihe »mittwochs um vier« im Wintersemester 2019/2020 bildete am 05.02.2020 ein Vortrag der Projektverantwortlichen Dr. Radhika Natarajan, die uns einen Einblick in ihre Dissertation gab und in diesem Rahmen einige »lose Überlegungen zu Flucht- und Zwangsmigration« anstellte.

»Die multivalente Flüchtlingsfrau«

Der Vortrag baute auf der Forschungsarbeit der Vortragenden auf, nämlich narrativen Interviews, die sie mit sri-lankisch tamilischen Flüchtlingsfrauen in Hannover geführt hat. Folgende Fragen standen hierbei im Mittelpunkt des Interesses:

  • Inwiefern die institutionellen Rahmenbedingungen im Aufnahmeland den Zugang zur Landessprache (hier: Deutsch) beeinflussen;
  • auf welche Weise jene Selbst- und Gruppenzwänge, die Geflüchtete im Exil erst entwickeln, deren Einstellung sowohl zu den eigenen mitgebrachten als auch zu den im Aufnahmeland neu vorgefundenen Sprachen prägen;
  • und welches Verständnis sowohl von Aspekten der Diskurse aus dem Herkunftsland (etwa ›wir‹, ›unsere Sprache‹) als auch von jenen der Aufnahmegesellschaft (z. B. ›Mehrsprachigkeit‹, ›Herkunftssprache‹) in den Interviews zutage tritt.

Durch all diese Fragen zog sich dabei stets der Faktor der Struktur – sei es die institutionelle Struktur im Aufnahmeland, mitgebrachte oder neu geschaffene Strukturen der Community oder auch sprachstrukturelle Aspekte –, die je nach Ausformung und Fokus sowohl einengen und beschränken als auch Halt geben oder befreien kann.

Diese Thematiken behandelte Frau Dr. Natarajan, indem sie ihren Vortrag um eine Lesung aus ihrem Paper »Durch die Sprachbrille« ergänzte; abgerundet durch die Präsentation und Diskussion von Interviewauszügen aus dem Forschungskorpus, sodass die Anwesenden insgesamt einen vielschichtigen Einblick in die Forschungsarbeit der Vortragenden erhielten.

(Tina Krohn)

Verfasst von Team LeibnizWerkstatt