Vortragsreihe: Kindertransport

© LeibnizWerkstatt
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Am 18.12.2019 konnte die Vortragsreihe »mittwochs um vier« ihren 90. Vortrag feiern. Dabei bildete ein Beitrag eines LeibnizWerkstatt-Urgesteins den Abschluss des Jahres 2019: Prof. Dr. Eva-Maria Thüne kombinierte eine Lesung aus ihrem kürzlich erschienenen Buch mit detallierten Hintergrundinformationen.

»Was passierte mit dem Deutschen? [...] Eine problematische Sprache.«

Der Band »Gerettet. Berichte von Kindertransport und Auswanderung nach England« ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts aus dem Jahr 2017, in dessen Rahmen Frau Prof. Thüne narrative Interviews mit den »Kindern« des Kindertransports und vergleichbaren Personen geführt hat - also mit jüdischen Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs im Kindes- oder Jugendalter nach England fliehen musste.

Im Anschluss an eine kurze Einführung zum Buch und dessen Hintergrund sowie die Methode ging die Vortragende detalliert auf die historischen Kontexte ein. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Frage, was der Kindertransport war, wer wichtige beteiligte Personen waren und was mit den Kindern nach der Ankunft in England passierte, wer sie aufnahm.

Den Kern des Vortrags bildeten Textbeispiele mit Erläuterungen und Hintergrundinformationen zu den Biographien der Personen. Wichtige Themen, die sich durch die verschiedenen Intervies ziehen, sind etwa: Schule, Erfahrungen in der Familie, die zunehmende Ratlosigkeit der Eltern, Diskriminierung, das Bedürfnis nach Kontinuität, Abschied und der ungeheure Anpassungsdruck, mit dem sich die Kinder in der Aufnahmegesellschaft konfrontiert sahen.

Ausgehend von ihren Erlebnissen im Kontakt mit den interviewten Personen beschloss Frau Prof. Thüne ihren Beitrag mit einem Appell an die Menschlichkeit: Es lohnt sich, sich zu engagieren! Man sollte die Menschen nicht allein lassen, sondern ihre Stimme hören. - »Das träg zur Heilung bei.«

(Tina Krohn)