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Vortragsreihe: Geschlechtergerechte Sprache

Vortragsreihe: Geschlechtergerechte Sprache

© LeibnizWerkstatt
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Dr. Maria B. Lange vom Deutschen Seminar informierte die Zuhörenden der Vortragsreihe »mittwochs um vier« am 22.01.2020 über ein Thema, das die Welt der Sprache schon lange beeinflusst. So wurde uns die feministische Linguistik nähergebracht.

Der Verweis darauf, dass die geläufige Sprache sexistische Elemente enthält und sie immer noch weitertransportiert, bewegt leider viele Sprechende immer noch nicht dazu, den eigenen Sprachgebrauch reflektierter und sensibilisierter zu gestalten. Das geläufige Gegenargument: ‚Sprachwandel‘ bzw. eigentlich ‚Sprachverfall‘. Dabei lohnt ein Blick in die Vergangenheit, der uns zeigt, dass der Sprachwandel kein neues Phänomen ist, sondern schon immer die Sprache begleitet hat. Die historische Linguistik periodisiert die deutsche Sprache in die fünf Perioden vom Germanischen bis hin ins Neuhochdeutsch. Innerhalb einer sehr langen Zeitspanne hat sich viel in der Sprache geändert. Erst seit dem 17. Jahrhundert wurden Grammatiken angefertigt, die unter den bereits existierenden verschiedenen Variablen der deutschen Sprache entschieden, welche als „schön und richtig“ und welche eher als „hässlich und falsch“ bewertet wurden. Bewertung von Sprache spielt eine nicht zu vernachlässigende Rolle im Sprachwandel. Bspw. war das Sächsische zu dieser Zeit das Deutsch, an dem man sich gerne orientierte. Beinahe 300 Jahre später ändert sich jedoch diese Einschätzung und in Umfragen aus dem Jahre 1998 wird das Sächsische in seiner Beliebtheit stark einbüßen müssen. Aber auch der Einfluss anderer Sprachen prägte das Deutsche. Das „Promovieren“ und „Habilitieren“ verdanken wir somit dem Französischen. Doch damals wie heute bleibt die Angst vorm Sprachverfall…

In dem Projekt „Geschlechtergerechte Sprache in Theorie und Praxis“, in dem Frau Dr. Lange mitwirkt, stehen Forschende aus den Bereichen der Juristik, Medizin und Germanistik im Austausch und befassen sich mit verschiedenen fachlichen Fragen rund um das Thema. Dabei interessiert die Germanistinnen unter anderem die Frage, wie Sprache Frauen und Männer versiert. Ein Exempel von vielen zeigt sich in dem Umstand, dass sich die weibliche Form meistens, abgesehen von wenigen einzelnen Fällen, aus der Ableitung der männlichen Form generiert. Die Lehrerin entsteht aus dem Lehrer und die Bäckerin aus dem Bäcker. Worte wie „Hebamme“, „Hure“ oder „Hexe“ sind dagegen rein weibliche Formen… In den 1960er-Jahren wurde in England die erste feministische Kritik an der Sprache verübt, weshalb sie auch als „Geburtsstunde“ der feministischen Linguistik bezeichnet werden kann. Seither gibt es das Bestreben, auf den sexistischen Sprachgebrauch aufmerksam zu machen und ihm entgegenzuwirken. Letztlich bringen es die Worte Ingrid Guentherodts, Marlis Hellingers, Luise F. Pusches und Senta Trömel-Plötzes in den Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs von 1982 in vielen Punkten auch heute noch treffend auf den Punkt:

„Frauen sind oft unsichtbar und werden vergessen; kommen sie vor, dann sind sie zweitrangig und nur in bestimmten Rollen zugelassen, hauptsächlich wo sie dem Mann dienen. […] Dagegen wollen wir Frauen sichtbar machen, indem wir sie explizit nennen und anreden, indem wir sie an erster Stelle nennen, bis Frauen und Männer gleichrangig vorkommen, indem wir sie in anderen Rollen zeigen als den üblichen und indem wir Degradierung in der Sprache nicht mehr dulden.“ (ebd. S. 21)

(Siham Schotemeier)

Verfasst von Team LeibnizWerkstatt