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»mittwochs um vier«: Metaphern zur Dehumanisierung von Outgroups, 29. Januar 2020

»mittwochs um vier«: Metaphern zur Dehumanisierung von Outgroups, 29. Januar 2020

Welche Rolle spielen Metaphern bei der Konstruktion von tatsächlichen oder fiktiven Gruppen und von Ein- und Ausschlussmechanismen? Und wann und wie wird Sprache zur (symbolischen) Gewalt? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich Dr. Alexa Mathias vom Deutschen Seminar in ihrem Vortrag am 29. Januar 2020.

Gesellschaften sind fragmentarische Gebilde – so vollzieht sich soziales Handeln stets vor dem Paradigma der situativ konstituierten Eigen- und Fremdgruppe(n). In Abhängigkeit von den vielfältigen und variablen Rahmenbedingungen gestalten sich die Interaktion zwischen den jeweiligen Gruppen und die Art und Weise ihrer symbolischen Repräsentation des Anderen mehr oder weniger kompetitiv, mehr oder weniger respektvoll, mehr oder weniger gewaltsam. Eine wichtige – wenn nicht gar die wichtigste – Funktion kommt hierbei der Sprache zu: Indem Sprechergemeinschaften sprachlich handeln, stellen sie die zu verhandelnden Sachverhalte nicht nur symbolvermittelt dar, sondern schaffen durch ihr sprachliches Handeln soziale Tatsachen.

Metaphern spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Sie verleihen auf Ebene ihrer sprachlichen Repräsentanten der Vorstellung Ausdruck, die sich eine Sprechergruppe von ihrem sozialen Gegenüber (der sog. Fremdgruppe) macht. Innerhalb bestimmter sozialer (auch: politischer) Rahmenbedingungen kann die Konzeption der Fremdgruppe durch die Eigengruppe Formen symbolischer Gewalt annehmen. Dies kann zum Beispiel durch die Verwendung von Metaphern unterschiedlicher Quelldomänen wie Tiere, Krankheiten, Schmutz oder Naturphänomene geschehen. Mittels der lexikalischen Vertreter dieser Domänen bzw. Felder referiert die Sprecher-Ingroup auf die Outgroup und ihre Mitglieder, um diese als nichtmenschlich zu konzipieren und darzustellen. Zudem leisten diese Metaphern einen konstitutiven Beitrag zur Begründung gegen den ›Feind‹ gerichteter Handlungen.

Im Vortrag werden diese sprachlichen Ausdrucksformen eingehender beschrieben und ihre Funktion im Rahmen von Abwertungsstrategien und der ›Argumentation gegen den Feind‹ hervorgehoben.

Zur Person

Dr. Alexa Mathias arbeitet seit 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover. Dort promovierte sie 2014 mit einer korpuslinguistischen Studie zum Sprachgebrauch in rechtsextremen Musikszenen. Zudem hat sie Gastaufenthalte an den Universitäten Zadar (Kroatien) und Sassari (Italien) absolviert. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist Politische Linguistik, derzeit v. a. Rechtspopulismus.

Wie immer sind alle Interessierten herzlich eingeladen, dem Vortrag beizuwohnen. Wir treffen uns auch im Wintersemester 2019/20 im Raum 103 im Conti-Hochhaus (Gebäude 1502), Königsworther Platz 1.

Verfasst von Team LeibnizWerkstatt