Maßstab Menschenrechte: Bildung und Empathie im Kontext von Flucht, Asyl und Diskriminierung

PD Dr. Susanne Müller-Using (Universität Osnabrück)

Die Norm und das Recht machen uns nicht frei von Ethik und Moral
Müller-Using im Vortrag

Anlässlich des Tages der Menschenrechte am 10. Dezember widmete sich die Vortragsreihe auch in diesem Jahr in der entsprechenden Woche diesem Thema: Am 12.12.2018 befasste sich PD Dr. Susanne Müller-Using, Erziehungswissenschaftlerin von der Universität Osnabrück, mit Bildung und Empathie im Kontext von Flucht, Asyl und Diskriminierung und wie in diesem Zusammenhang dem »Maßstab Menschenrechte« gerecht zu werden sei.

Im Fokus der Arbeit von Frau Dr. Müller-Using stehen die Menschenrechte aus dem Blickpunkt der Pädagogik, mit besonderer Betonung der Lehrer_innenbildung. In diesem Bereich (und in der Schule generell) wäre es wichtig, dass die Menschenrechte als Maßstab und Perspektive der Orientierung für pädagogisches Handeln dienen. Leider ist das Thema jedoch bis heute in den schulischen Strukturen nicht angemessen verankert und so ist es die Aufgabe jeder einzelnen Lehrkraft, die Rechte lebendig zu machen, indem man sich die Frage stellt: »Was bedeutet das und wie ist es pädagogisch zu übersetzen?«

Um sich dieser Frage anzunähern, gab uns die Vortragende zunächst eine Einführung in die Menschenrechte und die Vereinten Nationen. Beides bahnte sich während des Zweiten Weltkriegs an und gipfelte schließlich in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948, die durch weitere internationale Pakte nach und nach in geltendes Recht umgewandelt wurde. Aus diesen lassen sich letztlich drei basale menschenrechtliche Verpflichtungen der Staaten herausarbeiten: Die Achtung der Menschenrechte durch den Staat, den Schutz vor Eingriffen Dritter in die Menschenrechte und die Gewährleistung der Menschenrechte durch staatliche Leistungen.

Wichtig ist, dass wir uns mit dem Thema befassen und eigene Maßstäbe anlegen. Dabei sollte unser Ziel sein, dass wir jedem einzelnen Kind das Gefühl für die Würde ermöglichen – sowohl individuell als auch kollektiv. Glücklicherweise haben wir viel pädagogischen Spielraum, die verschiedenen Facetten einzubringen. Wir müssen jedoch, wie anhand sehr anschaulicher Fallbeispiele aus konkreten Unterrichtssituationen deutlich wurde, sehr sensibel für Verletzungen sein: Wenn möglich, sollte verletzendes Verhalten natürlich von vornherein vermieden werden; kommt es doch einmal vor und fällt mir im Nachhinein auf, sollte ich über meinen Schatten springen und versuchen, die Wogen zu glätten.

Besonders wichtig sind im Unterricht also reflektierter und fairer Umgang sowie eine grundlegende Sensibilität für sowie das Erkennen von Schwierigkeiten – hier kann Supervision sehr hilfreich sein. Ein Grundsätzliches Problem ist die übliche Dominanzposition der Lehrkraft: Die Kinder wissen häufig gar nicht, dass ihre Würde verletzt wird. Wichtig ist also, sich bewusst zu machen, dass alle am Unterricht Beteiligten – obgleich sie unterschiedliche Rollen einnehmen – das gleiche Maß an menschlicher Würde besitzen. Dies fängt bereits mit einer bestimmten Grundhaltung bei der Unterrichtsplanung an: Nur wenn ich von vornherein einplane, dass die Partizipation der Schülerinnen und Schüler den Gegenstand verändern kann, statt stur nach Schema F zu unterrichten, kann ich ihre Rechte wahren. Ich muss also stets aufmerksam und achtsam sein und Handlungsalternativen herausfinden, wobei ich die Balance zwischen der individuellen Perspektive und der Gruppendynamik im Auge behalten muss.

Um einen für alle Beteiligten angemessenen Unterricht zu verwirklichen, der die Menschenrechte »vom Papier in die Aktion« holt, müssen wir uns also mit den Grundwerten (wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität etc.) befassen, diese Aspekte stärken und pädagogisch wirksam werden lassen. Wertschätzung muss spürbar werden!

(Tina Krohn)