Vererbtes Engagement: Facettenreiche, gesellschaftliche Teilhabe von Zwangsmigrierten

Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

Menschen, deren wichtigste und unumkehrbare Lebensentscheidung darin liegt, Flucht in ein sicheres Land zu ergreifen, entkommen zwar der unmittelbaren Gewaltdrohung. Sie gelangen jedoch zu einer Jahr(zehnt)e anhaltenden, provisorischen Alltagsgestaltung im neuen Land sowie oft vereitelten Rückkehrhoffnung. Der Gewalt knapp entronnen können sie meist nicht umhin, sich um die Zukunftsgestaltung ihres als eigen angesehenen Landes zu sorgen. Im fortwährenden Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Geschehnissen des einstigen Herkunftslandes zeigt sich u.a. diese Sorge auf. Die Auseinandersetzung beschränkt sich nicht nur auf die unmittelbar Entflohenen, sondern bildet einen Teil der Familiengeschichte, sei es der ausgesprochene oder verschwiegene Teil. Im Laufe dieses doch zur quasi Dauerhaftigkeit mutierenden Flüchtlingsdaseins bzw. Exils wird diese Beschäftigung auch intergenerational tradiert und weitergegeben.

Der Vortrag geht zum einen auf die Teilhabe an Bildung ein, die antizipatorisch auf sozialen Aufstieg zielt. Zum zweiten wird eine Teilhabe an der körperlichen wie seelischen Unversehrtheit beschrieben, die in der hiesigen Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit und für Entflohene jedoch ein besonders hohes Gut darstellt. Zum letzten wird eine mehrfache Teilhabe aufgezeigt, die sich ausdrücklich politisch gestaltet, Grenzen übergreifend geschieht und sich dabei der medialen wie mehrsprachigen Ressourcen bedient. Bei allen drei hier kurz angerissenen Varianten wird eine Verbindung zwischen der (un-)mittelbaren Erfahrung der Zwangsmigration sowie den daraus entstehenden Verpflichtungen gegenüber der eigenen Community hergestellt, die zu einer Reihe von Unternehmungen und Unterlassungen führt.

(Radhika Natarajan)