Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund

Hanna Ehlert (Institut für Sonderpädagogik)

»Ist das noch normal oder nicht?«
Offene Frage im Vortrag

Hanna Ehlert, Logopädin und Sonderpädagogin vom Projekt LeibnizConnect referierte in einem weiteren Beitrag aus der Werkstatt über Sprach- und Kommunikationsstörungen bei mehrsprachigen Kindern mit Fluchthintergrund. Nach einer kurzen Einführung über die Arbeit von LeibnizConnect ging sie näher auf den Spracherwerb im Allgemeinen, auf das Thema Mehrsprachigkeit, auf Sprachentwicklungsstörungen und auf die Zusammenhänge mit Fluchterlebnissen ein.

  • Spracherwerbsprozesse verlaufen sehr variantenreich und interindividuell unterschiedlich. Allen gemein ist das grundlegende Prinzip »vom Einfachen zum Komplexen«. 
  •  Mehrsprachigkeit ist, das ist zu betonen, kein Risikofaktor für eine Sprachentwicklungsstörung. Sie kann jedoch auf vielfache Weisen deren Diagnose erschweren und so zu Fehleinschätzungen führen.
  • Von einer (Spezifischen) Sprachentwicklungsstörung (SSES) ist normalerweise »nur« die Sprache betroffen, die sonstige Entwicklung ist weitgehend unbeeinträchtigt. Die Folgen einer SSES können sehr schwerwiegend sein.
  • Bei Kindern mit Fluchthintergrund kommt zu dem ohnedies schon hoch komplexen multimodalen Bedingungsgefüge für Sprachentwicklungsstörungen die potenziell traumatische Fluchterfahrung als extremer Belastungsfaktor hinzu. 
  • Abschließend ging Frau Ehlert exemplarisch auf zwei Störungen, deren Entstehen, Symptome und Therapiemöglichkeiten näher ein: den (selektiven) Mutismus und das Stottern. Außerdem gab sie Tipps, wie man im Schulunterricht mit betroffenen Kindern (generell, nicht spezifisch im Fluchtkontext) umgehen sollte, um die Therapie zu unterstützen. 

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Raum für Nachfragen und Diskussionen. Es wurde hier etwa thematisiert, wie gut die genannten Tipps in der Unterrichtspraxis umsetzbar sind und inwieweit Mehrsprachigkeit in den Schulen angemessen berücksichtigt wird. Abschließend berichtete Frau Ehlert von Beispielen aus ihrer eigenen Tätigkeit als Logopädin und stand nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung noch für Einzelberatung zur Verfügung. 

(Tina Krohn)