Geflüchtete in studienvorbereitenden Deutsch-Intensivsprachkursen: Berichte aus der Praxis

Hubert Fleddermann (Fachsprachenzentrum) und Lehrkräfte in D-intensiv (Karin Brockmann, Ulrike Diepenbrock-Akdemir, Jana Stoklasa, Wolfgang Mennecke)

Die Arbeit ist anstrengend, aber sie ist jede Minute wert.
Lehrkräfte über Deutschkurse

Am 07.06.2017 berichteten Hubert Fleddermann und seine Kolleginnen und Kollegen vom Fachsprachenzentrum den Anwesenden vom Projekt „D-intensiv“, das Geflüchtete gemeinsam mit anderen internationalen Studienanwärter_innen  in Deutsch-Intensivkursen auf das Studium an einer deutschen Hochschule vorbereitet.

  • Zu Beginn stellte Hubert Fleddermann das Projekt an sich näher vor, dessen Ziel es ist, den Status »Flüchtling« aus dem Fokus zu rücken, indem die Geflüchteten mit anderen internationalen Studierenden gemeinsam die Kurse besuchen. Der Unterricht wird handlungsorientiert gestaltet und bereitet die Teilnehmenden umfassend auf die abschließende DSH-Prüfung vor. Außerdem werden Vorlesungen und universitäre Veranstaltungen besucht, die Teilnehmenden haben Zugang zu Mensa, Bibliotheken und Hochschulsport und es besteht insgesamt ein enger Kontakt mit den Lehrkräften. 
  • Anschließend ging Jana Stoklasa im Rahmen ihres Erfahrungsberichts näher auf die Struktur der Kurse ein, die in drei Phasen verlaufen: Während in der ersten Phase des Kennenlernens noch die Erwartung vorherrscht, der Unterricht möge straff organisiert und dozentenzentriert sein, werden die Lernenden schrittweise zu einem selbstbestimmten Lernen hingeführt und in der zweiten Phase intensiviert sich der Lernprozess. Die dritte Phase schließlich ist ganz der Prüfungsvorbereitung gewidmet.
  • Danach befasste sich Ulrike Diepenbrock-Akdemir mit den Rückmeldungen von ehemaligen Teilnehmenden bezüglich ihres weiteren Werdegangs und stellte in diesem Rahmen zwei Personen näher vor. Das Bild ist insgesamt gemischt, gibt Anlass zur Freude, aber macht auch traurig: Während vier der insgesamt zwölf Befragten bereits ein Studium aufgenommen haben und weitere vier dies zum Wintersemester tun werden, war bei nur zwei Personen das Ergebnis der Sprachprüfung nicht ausreichend. Zwei weitere Befragte konnten allerdings nur deshalb noch nicht ins Studium starten, weil ihr Aufenthaltsstatus noch unklar ist – eine Problematik, die auch für die Lehrkräfte eine besondere Herausforderung darstellt.
  • Zum Abschluss informierte Wolfgang Mennecke die Zuhörenden anhand eines Museumsprojekts über das Konzept des handlungsorientierten Unterrichts: Nach einem gemeinsamen Besuch im Museum entstehen im Rahmen einer Einheit zu moderner Kunst Präsentationen zu ausgewählten Objekten, was in besonderem Maße der Studienvorbereitung dient, da Präsentationen ein elementarer Teil des deutschen Bildungssystems sind. Ein weiteres interessantes und sehr fruchtbares Konzept ist das ‚Mentoring‘ durch akademische Senior_innen, das in Kooperation mit der Seniorenresidenz Kastanienhof durchgeführt wird. Es bietet den angehenden Studierenden die Möglichkeit, die deutsche Sprache auch abseits des Unterrichts zu erproben und in ungezwungenem Rahmen mit Deutschen in Kontakt zu kommen – ein Angebot, das insbesondere unter den Geflüchteten großen Anklang findet, da gerade diese ein größeres Interesse an emotionaler Zuwendung und „echten sozialen Beziehungen“ zeigen.

Nach dem Vortrag entstand eine lebhafte Diskussion, in der es unter anderem um Gruppendynamiken, Einstufungstests und Auswahlverfahren, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Museumsbesuchen im Sprachunterricht sowie Auswahl und Einsatz von Lehrwerken ging.

(Tina Krohn)