»Der Dreck muss weg«. Eine Einführung in die Sozialpsychologie des Rassismus

Prof. Dr. Rolf Pohl (Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie)

Um groß zu sein, genügt es dem Rassisten, auf die Schultern eines anderen zu steigen.
Albert Memmi

Am 10.05.2017 gab Prof. Dr. Rolf Pohl, Professor für Sozialpsychologie am Institut für Soziologie und einer der Koordinatoren der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie, unter dem Titel »Der Dreck muss weg« eine sehr gut besuchte und außerordentlich interessante Einführung in die Sozialpsychologie des Rassismus.

  • Zunächst befasste sich Herr Prof. Pohl mit Definitionen, Merkmalen und Funktionen von Rassismus. Rassismus ist ein allgemeiner Mechanismus, der in verschiedenen Spielarten auftritt, nämlich als Ideologie, in Form von Vorurteilen und als Verhalten, und auf einer Überbetonung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede und einer daraus abgeleiteten Hierarchisierung beruht. 
  • Anschließend bot der Vortrag ein kurzes Streiflicht zur Geschichte des Rassismus, wobei er sich auf drei prägende Zeitabschnitte konzentrierte: Die Reconquista, also die christliche Rückeroberung der iberischen Halbinsel, das Zeitalter der Aufklärung, welches ein Katalysator für den Rassismus war und dessen Ausbreitung massiv beschleunigte, sowie den Kolonialismus, der den weißen Mann als kontrollierend und den »Wilden« überlegen etablierte. Selbstredend kulminierte all dies schließlich in der NS-Ideologie.
  • Im Anschluss an den historischen Überblick wurde die Aktualität des Rassismus in Deutschland besprochen, der sich als Kombination von alltäglichem und institutionellem Rassismus äußert. Dabei ist ein Paradigmenwechsel zu verzeichnen, weg vom biologisch begründeten Rassismus, hin zu einem Neo-Rassismus der Kulturunterschiede. In der Realität meint der Rassismus aber eigentlich immer beides – Kultur und Biologie. 
  • Abschließend ging Herr Prof. Pohl näher auf sozialpsychologische Aspekte des Rassismus ein. Dieser stellt demnach einen Projektionsmechanismus dar, d.h. unangenehme Reize werden auf ein äußeres Feindbild übertragen, gleichsam »ausgelagert«, um die inneren Quellen zu verschleiern. Aus der Projektion ergeben sich rassifizierte Wahrnehmungsmuster, die sich als Angst und Paranoia äußern und auf einem steigen Wechselverhältnis von Wahrnehmung und Interpretationen beruht. Hieraus resultiert letztlich der Kern rassifizierter Wahrnehmungsmuster: »Die Ablösung von Reflexion durch reflexhaftes Handeln.«

Die sehr ausgiebige und fruchtbare Diskussion im Anschluss an den Vortrag drehte sich unter anderem um die Rolle der Medien bei der Etablierung einer »Bedrohungskultur«, um die Problematik kollektiver Identitäten, die Zusammenhänge von Rassismus, Sexismus und Antifeminismus sowie um Möglichkeiten des konstruktiven Umgangs mit Angst und Unsicherheit.

(Tina Krohn)