Geschlecht, Klasse, Ethnizität und…? Intersektionalität als Perspektive auf die Migrationsgesellschaft

Dr. Catharina Peeck (Institut für Soziologie/Centre for Atlantic and Global Studies)

Feminismus als Integration von Glauben und Gleichstellung

Am 19.04.2017 brachte die Soziologin Dr. Catharina Peeck vom Centre for Atlantic and Global Studies den Zuhörenden anhand von Ergebnissen ihrer Doktorarbeit das Konzept der Intersektionalität mit Blick auf britische muslimische Frauen näher.

  • Hintergrund der Forschung ist die „Prevent Strategie“, ein Programm der britischen Regierung zur Terrorprävention durch die Verhinderung von Radikalisierungsprozessen. Dies will man durch die verstärkte Zusammenarbeit mit muslimischen Frauenorganisationen erreichen, aus welchen die Interviewpartnerinnen der vorgestellten Studie stammen.
  • Das Konzept der Intersektionalität stammt ursprünglich aus der schwarzen Frauenbewegung des angloamerikanischen Raumes, weshalb manche seiner Begriffe hierzulande leicht anders konnotiert sind. Neben den grundlegenden Strukturkategorien „Race, Class and Gender“ sind auch weitere Differenzkategorien wie Nationalität, Alter, Sexualität, Religion, Behinderungen oder Beruf von Bedeutung. Wichtig für die Intersektionalität ist die Annahme, dass diese Kategorien nie alleine wirken, sondern wir es immer mit einem Zusammenspiel mehrerer Kategorien zu tun haben. 
  • Aus den im Anschluss an die theoretischen Grundlagen vorgestellten Ergebnissen der Studie leitete Frau Dr. Peeck her, dass die von den befragten Frauen wahrgenommenen Konflikte u.a. das Verhältnis zur Mehrheitsgesellschaft, Ungleichheiten innerhalb der Communities sowie das Verhältnis zum Feminismus betreffen. Als Anknüpfungspunkte für die Forschung hierzulande ergeben sich daraus die Narrative muslimischer Frauen, die problematische Gleichsetzung von Islam und Islamismus sowie Möglichkeiten der Solidarisierung zwischen feministischen Bewegungen.

Im Anschluss an den Vortrag war Zeit für Nachfragen und Diskussionen. Es ging hier z.B. um politische Implikationen des Konzepts der Intersektionalität, Erfahrungen und Beobachtungen von Teilnehmenden, die selbst in der Arbeit mit Geflüchteten aktiv sind, um Diskriminierung innerhalb diskriminierter Gruppen und um durch große Heterogenität der Geflüchteten verursachte Konflikte in Massenunterkünften.

(Tina Krohn)