Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit

Dr. Ina Rust (Institut für Soziologie)

Bürgerschaftliches Engagement im Geflüchtetenbereich

Am 31.05.2017 referierte Dr. Ina Rust, am Institut für Soziologie im Bereich der qualitativen Methodenausbildung tätig, über ehrenamtliches Engagement im Bereich der Geflüchtetenarbeit. 

  • Zu Beginn befasste sich Frau Dr. Rust mit den Begriffen »Flüchtling« und »Geflüchteter«: Der Begriff »Flüchtling« ist einerseits kritisch zu sehen, da man ihm eine gewisse negative Konnotation nachsagen kann und sein Singular nicht dem Anspruch geschlechtergerechter Sprache entspricht. Gleichzeitig gibt es aber auch gute Gründe für die Benutzung von »Flüchtling«, da es sich um einen etablierten Begriff handelt, der etwa in Institutionen, Organisationen und Gesetzen fixiert ist. Anschließend wurden einige ausgewählte Überblicksmaterialien vorgestellt, in denen die Flüchtlingsdebatte aus verschiedenen Disziplinen und Positionen heraus thematisiert wird.
  • Weiterhin wurde näher auf die verschiedenen Formen freiwilligen Engagements eingegangen und thematisiert, wo Informationsquellen für Interessierte zu finden sind. Zudem wurden zentrale Ergebnisse des aktuellen Deutschen Freiwilligensurveys vorgestellt, eine repräsentative Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland aus dem Jahr 2014.
  • Ehe sie den Vortrag mit einem kurzen persönlichen Fallbeispiel beschloss, ging Frau Dr. Rust näher auf bürgerschaftliches Engagement für Geflüchtete ein, indem sie von einem selbst durchgeführten Lehrforschungsprojekt berichtete. Auf einen Überblick zur qualitativen Forschung und methodischen Herausforderungen folgte eine Aufarbeitung zentraler Ergebnisse, wobei es primär um Formularhilfe, die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, das Ehrenamt als Integrationschance und bürgerliches Engagement von Geflüchteten ging. Als Ergebnis hielt Frau Dr. Rust fest: »Wenn Geflüchtete selbst ehrenamtlich tätig werden – und dabei nicht im Migrationsbereich – dann ist die Integration gelungen. Es gibt andere Wege, aber dies ist einer.«

Im Anschluss an den Vortrag war wie immer Zeit für Nachfragen und Diskussionen, wobei diesmal insbesondere das Verhältnis der Begriffe »Flüchtling« und »Geflüchteter« im Mittelpunkt stand. Welcher Begriff letztlich der beste ist – es werden auch viele weitere Alternativbegriffe diskutiert – lässt sich letztlich wohl nicht klären. Generell befinden sich die Begrifflichkeiten offenbar gerade im Wandel, und es lässt sich ein latenter Konflikt zwischen Korrektheit und Handhabbarkeit unterstellen.

(Tina Krohn)