Anerkennende Sichtbarkeit: Flüchtlingsfrauen als ehrenamtlich Handelnde

Radhika Natarajan (Projekt LeibnizWerkstatt)

Arbeit ist das halbe Leben.
Abgeändertes Sprichwort

 Am 24.05.2017 referierte Radhika Natarajan, Germanistin und Ausbilderin für Deutsch als Fremdsprache und für die Konzeption und Umsetzung des Projekts LeibnizWerkstatt zuständig, über den in der Forschung oft übersehenen Themenkomplex von Flüchtlingsfrauen als ehrenamtlich Handelnden. Sie stützte sich hierbei auf Daten, die sie im Rahmen ihrer Dissertation zum Sprachgebrauch tamilischer Flüchtlingsfrauen aus Sri Lanka erhoben hat. 

  • Auf eine Vorstellung der Flüchtlingscommunity und des Hintergrunds zu den Fluchtgründen folgte eine Definition des Begriffs »Flüchtlingsfrau«, der zweierlei bedeuten kann: Eine Flüchtlingsfrau ist entweder eine Frau, die selbst geflüchtet ist, oder mit einem Geflüchteten verheiratet und im Rahmen der Familienzusammenführung in dessen Aufnahmeland gekommen.
  • Anschließend ging die Vortragende näher auf die Erwerbstätigkeit der in Deutschland lebenden tamilischen Geflüchteten ein. Hierbei lässt sich eine generelle Aufstiegshaltung verzeichnen, der aber unglücklicherweise oft der Aufenthaltsstatus im Wege steht. So arbeiten die Flüchtlingsfrauen hier in Deutschland oft weit unterhalb ihrer Qualifikation. Um diese unbefriedigende Situation besser zu ertragen, engagieren sich viele Frauen ehrenamtlich, speziell innerhalb ihrer Community, beispielsweise indem sie Sprachunterricht erteilen oder Nachhilfe geben. 
  • Nach einem Überblick über verschiedene Studien zu ehrenamtlicher Arbeit in Deutschland stellte Frau Natarajan einige der von ihr befragten Frauen näher vor, wobei sie besonders auf deren Fluchtgeschichte, berufliche Karriere und ehrenamtliche Tätigkeiten einging. Allen vorgestellten Frauen ist gemein, dass ein »Scheitern« im Berufsleben oder eine durch Erwerbsarbeit unter ihrer Qualifikation »verlorene Ehre« durch besonderes Engagement im ehrenamtlichen Bereich ein Stück weit kompensiert wird. So dient die ehrenamtliche Tätigkeit, bei allen individuellen Unterschieden, letztlich der Selbstverwirklichung, die den Frauen im Rahmen der Erwerbstätigkeit verwehrt bleibt, und bringt ihnen Anerkennung von drei Seiten ein: Anerkennung von sich selbst, von der Flüchtlingscommunity und auch von der Mehrheitsgesellschaft.

Ergänzt wurde der Vortrag durch Rückgriffe auf vergangene Vorträge des laufenden Semesters, so ging Frau Natarajan insbesondere noch einmal auf das Konzept der Intersektionalität sowie den Zugang zur Sprache in der kroatisch-stämmigen Community ein. 

Nach dem Vortrag wurde lebhaft nachgefragt und diskutiert, beispielsweise über die Religionen Sri Lankas, die Benachteiligung der Flüchtlingsfrauen als politisches Problem und den hohen Stellenwert der Sprache für die tamilische Community.

(Tina Krohn)