Vortragsreihe zu Sprache, Migration und Vielfalt

Auch im Sommersemester 2017 bot die Vortragsreihe »mittwochs um vier« wieder 13 interessante und anregende Beiträge, wobei der Fokus diesmal insbesondere auf den Bereichen Sprache und Diversität lag.

THEMENVIELFALT

Poster Sommer 2017
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Neben einer Vielzahl von Beiträgen zur Säule Sprache & Migration sowie zur Säule Sprache & Diversität, die unter anderem Sprachkontaktphänomene in Migrationskontexten, die Bedeutsamkeit von Erinnerungsgegenständen, studienvorbereitende Deutschkurse, Rassismus, ehrenamtliche Arbeit und Migrationspädagogik zum Thema hatten, fanden wieder auch Vorträge zu psychosozialen und rechtlichen Aspekten statt. Der Beitrag zu Schreiben und Sprechen aus psychologischer Sicht schließlich verknüpfte die sprachliche mit der psychologischen Säule.

Im Sommersemester 2017 waren Referent_innen aus folgenden Institutionen beteiligt: Antidiskriminierungsstelle Hannover, Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie, Arbeitsstelle DiversitAS, Center for Migration, Education and Cultural Studies (Universität Oldenburg), Fachsprachenzentrum, Institut für Pädagogische Psychologie, Institut für Soziologie, Institut für Theologie und Religionswissenschaft, Leibniz School of Education, LeibnizWerkstatt, Psychologisch-Therapeutische Beratung für Studierende, Universität Bologna (Italien), Universität Zadar (Kroatien).

Auf dieser Seite finden Sie die Abstracts und auf weiteren Seiten die Resümees von allen Vorträgen. Einige Beiträge der Vortragsreihe befinden sich im 2019 erschienenen Sammelband »Sprache, Flucht, Migration«.

RESÜMEES

12.04.2017

 Migration und Sprachkontakt
Prof. Dr. Marijana Kresić (Universität Zadar, Kroatien)

Der Vortrag berichtet über die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum Sprachgebrauch und damit einhergehenden Sprachkontaktphänomenen unter ausgewanderten Kroatischsprechenden weltweit in verschiedenen Ländern. Im Hinblick auf Spracheinstellungen, Selbstwahrnehmung und -positionierung als mehrsprachige Sprechende wurden die Daten soziolinguistisch analysiert.    

19.04.2017

Intersektionalität als Perspektive
Dr. (des.) Catharina Peeck (Institut für Soziologie/Centre for Atlantic and Global Studies)

Intersektionalität verwirft die klassischen Strukturkategorien nicht, verweist aber darauf, dass sie miteinander verwoben, situativ unterschiedlich wirksam und mit anderen Kategorien verknüpft sein können, was der Vortrag anhand des Beispiels muslimischer Frauen analysiert und diskutiert.    

26.04.2017

Dinge als Gefährten
Prof. Dr. Eva-Maria Thüne (Universität Bologna, Italien)

Dinge sind nicht nur Gebrauchsgegenstände, sie haben auch identitätswirksame Funktionen. Dies kann besonders in Situationen geschehen, in denen sich große Veränderungen im Leben einer Person ergeben, beispielsweise bei Flucht und Migration. In Interviews und Texten kann verfolgt werden, wie Dinge in der Erinnerung Spuren hinterlassen, die Bedeutungsmuster bilden.    

03.05.2017

Diskriminierung: Risiken und Schutz in Hannover
Peggy Zander (Antidiskriminierungsstelle Hannover)

Der Vortrag gibt einen Einblick in die gesetzlichen Bestimmungen und stellt Erfahrungen aus der Praxis der Antidiskriminierungsstelle dar. Aktuelle Entwicklungen sollen diskutiert und mögliche Umgangsweisen mit erlebten oder beobachteten Diskriminierungen herausgearbeitet werden.

10.05.2017

Zur Sozialpsychologie des Rassismus
Prof. Dr. Rolf Pohl (AG Politische Psychologie)

Kern der aktuellen Fremdenfeindlichkeit ist ein Rassismus, der mal traditionell im biologischen Gewand, mal als kultureller (Neo-)Rassismus auftritt. Gemeinsames Merkmal ist eine politisierbare Störung der sozialen Wahrnehmung, die es scheinbar mühelos erlaubt, die als feindlich konstruierte Fremdgruppe unter Bezug auf ihre angeblichen minderwertigen »Wesensmerkmale« zu diskriminieren, verfolgen und auszugrenzen. Der Vortrag wird den Ursachen, Erscheinungsformen und Wirkungsweisen des Rassismus aus sozialpsychologischer Perspektive nachgehen.    

18.05.2017

Religiöse Diversität
Prof. Dr. Wanda Alberts (Institut für Theologie und Religionswissenschaft)

Der Vortrag behandelt Kontexte und Rahmenbedingungen des schulischen Lernens über religiöse Diversität aus europäischer Perspektive. Als Ort gemeinsamen Lernens über unterschiedliche Religionen kommen besonders Modelle des integrativen Religionsunterrichts in den Blick. Möglichkeiten und Grenzen eines solchen Unterrichts werden bezüglich seines Verhältnisses zum Recht auf Religionsfreiheit anhand von Beispielen aufgezeigt.

24.05.2017

Anerkennende Sichtbarkeit
Radhika Natarajan (Projekt LeibnizWerkstatt)

Fluchtmigrierte werden oft als Empfangende von Sozialarbeit und -leistungen wahrgenommen, doch kaum als Initiative Ergreifende. Laut eigener Interviewerhebungen können etliche Frauen durch ehrenamtliches Engagement offenbar neue Handlungsräume schaffen und gestalten. Die damit verbundene Erfahrung einer sichtbaren Anerkennung und einer anerkennenden Sichtbarkeit trägt als ein wichtiger Ansporn zum fortwährenden Engagement bei. Diesen oft übersehenen Aspekt erstrebt der Vortrag mit Fokus auf Sprachen sichtbar zu machen.

31.05.2017

Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit
Dr. Ina Rust (Institut für Soziologie)

Das ehrenamtliche Engagement zugunsten von Geflüchteten hat in den Jahren 2015/2016 in Deutschland einen Höhepunkt erreicht. Einige helfen „nebenbei“, für andere wird das Helfen zu einer neuen Lebensaufgabe. So unterschiedlich das Engagement ist, so unterschiedlich sind Motive der Ehrenamtlichen, ihre Erfahrungen und Wertungen des Geschehenen. In qualitativen Lehrforschungsprojekten wurden diese und weitere Aspekte in Interviews mit Ehrenamtlichen aus Stadt und Region untersucht.

07.06.2017

Geflüchtete in studienvorbereitenden Kursen
Hubert Fleddermann (Fachsprachenzentrum) und Lehrkräfte in D-intensiv

Seit April 2016 arbeitet das Fachsprachenzentrum mit einem neuen Konzept, das differenziert auf die Ausgangskenntnisse der Teilnehmenden abgestimmt ist und die universitäre Umgebung in die Kursorganisation einbezieht. Geflüchtete werden von Anfang an in die Kurse integriert. Die Leibniz Universität hat sich vorgenommen, den Status »Flüchtling« möglichst schnell aus dem Fokus zu rücken. Daher lernen Geflüchtete aus Syrien, dem Südsudan, Irak und Iran an der Universität mit internationalen angehenden Studierenden aus verschiedensten Ländern gemeinsam. Insbesondere diese Internationalität wird von den geflüchteten Studieninteressierten geschätzt.

14.06.2017

Perspektiven auf ›Integration‹
Florian Grawan (Arbeitsstelle DiversitAS)

Integration zählt als eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen, insbesondere seitdem Deutschland von einer vermeintlichen ›Flüchtlingskrise‹ betroffen ist. Was genau aber ist unter Integration zu verstehen? Wie wird das Phänomen von staatlicher und medialer Seite konstruiert und welche ›Integrationspolitiken‹ gehen damit einher? Anhand von Beispielen sollen die Konstruktionen eines Gegenübers von ›Wir‹ und ›den Anderen‹ im Rahmen des Integrationsdispositivs dargestellt werden.     

21.06.2017

Sprechen und Schreiben
Prof. Dr. Joachim Grabowski (Institut für Pädagogische Psychologie)

Der Umgang des Menschen mit der Sprache ist u.a. eine psychische Fähigkeit, die kognitiven und gedächtnisbezogenen Bedingungen unterliegt. Wie bei allen Fähigkeiten spielen Übung und Automatisierung eine wichtige Rolle für die individuelle Leistungsfähigkeit. Der Vortrag erläutert allgemeine psychologische Prinzipien der menschlichen Sprachproduktion; anschließend wird für das Schreiben von Texten gezeigt, bei welchen sprachbezogenen Fähigkeiten Jugendliche mit sprachlichem Migrationshintergrund Nachteile haben und bei welchen nicht.

28.06.2017

Traumafolgestörungen
Christiane Maurer (Psychologisch-Therapeutische Beratung für Studierende)

In dieser Veranstaltung erhalten Zuhörende einen Überblick über Verhaltens- und Erlebensmuster der Menschen, die eine Traumafolgestörung entwickelt haben und erfahren, wie sich diese im Kontext der eigenen Tätigkeit konkret zeigen können. Informationen, wie adäquat zu handeln und zu reagieren wäre, vermitteln eine größere Handlungssicherheit im Kontakt mit traumatisierten Menschen.

05.07.2017

Berufliche Aus-/Weiterbildung als zweite Chance?
Prof. Dr. Julia Gillen (Leibniz School of Education & Institut für Erwachsenenbildung und Berufspädagogik)

Trotz aller bildungspolitischen Absichtserklärungen ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland eine Gleichzeitigkeit von Bildungsexpansion und sozialer Ungleichheit von Bildungschancen zu konstatieren. Im Vortrag erfolgt eine Beschreibung und Analyse der Bedingungen und Möglichkeiten zur Weiterbildung für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen. Dabei wird mit Blick auf die soziale Ungleichheit und Weiterbildungsbeteiligung geprüft, welche Gruppen in welchem Umfang an Weiterbildung teilhaben.

12.07.2017

Solidarische Bildung
Prof. Dr. Paul Mecheril (Universität Oldenburg)

»Migration« ist ein grundlegendes Kennzeichen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Die mit Migrationsphänomenen einhergehenden Wandlungsprozesse betreffen hierbei nicht allein spezifische gesellschaftliche Bereiche, sondern vielmehr Strukturen und Prozesse der Gesellschaft im Ganzen. Problembeschreibungen sind hierbei charakteristisch für das Verhältnis von Pädagogik und Migration. Der Vortrag skizziert zunächst diese Herausforderung genauer und stellt anschließend den Ansatz der Migrationspädagogik vor. Migrationspädagogik kann als Einladung zu einer Praxis des Denkens, Sprechens und Handelns verstanden werden, die versucht, Dominanzverhältnisse der Migrationsgesellschaft und Bedingungen zu erkennen, die es möglich machen, dass weniger Dominanz erforderlich ist. Die Frage, was es wohl hieße, in der Migrationsgesellschaft gebildet zu sein, steht hier im Mittelpunkt.