Januarwerkstatt 2018

Bei der zwölften einführenden Blockveranstaltung der LeibnizWerkstatt, der Januarwerkstatt 2018, gab es wie immer die Möglichkeit, Lehrwerke kennen zu lernen und sich über Grundlagen vom Deutschen als Fremdsprache bzw. Zweitsprache auszutauschen. Je nach Kenntnisstand der Teilnehmenden wurden die einzelnen Blöcke interessengeleitet und interaktiv gestaltet.

PROGRAMM

  • 12.01.2018 Bildungssprache, Diskriminierung, Grundlagen DaF/DaZ

    Freitag, den 12.01.2018; 14:00 - 18:30 Uhr

    14:00 - 14:30 Uhr
    Vorstellung und Interessenerkundung
    Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

    14:30 - 16:00 Uhr
    Schreiben in der Bildungssprache Deutsch
    Vortrag und Diskussion
    Kristin Tschernig (Projekt Leibniz-Prinzip)

    16:00 - 18:00 Uhr
    Diskriminierung: Risiken und Schutz in Hannover: Was tun für eine diskriminierungsfreie Stadt?!
    Workshop und Reflexion
    Peggy Zander (Antidiskriminierungsstelle, Fachbereich Soziales, Landeshauptstadt Hannover)

    18:00 - 18:30 Uhr
    Roter Faden: Erste Einsichten
    Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

  • 13.01.2018 Sprachunterstützung, Theaterpädagogik, Asylrecht

    Samstag, den 13.01.2018; 10:00 - 18:00 Uhr

    10:00 - 13:30 Uhr
    Unterstützende Sprachangebote: Lehrwerke, Improvisation und mehr
    Workshop und Austausch
    Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

    13:30 - 15:30 Uhr
    Geflüchtetsein: Ein theaterpädagogischer Zugang 
    Workshop und Reflexion
    Dr. Mihaela Iclodean (Freischaffende Künstlerin)

    15:30 - 17:30 Uhr
    Einführung in das Asylrecht
    Vortrag und Diskussion
    Mirko Widdascheck (Refugee Law Clinic Hannover e.V.)

    17:30 - 18:00 Uhr
    Roter Faden 
    Weitere Einsichten und Abschluss
    Radhika Natarajan (LeibnizWerkstatt)

Die Januarwerkstatt fand am 12.01. und am 13.01.2018 statt. Neu war, dass wir einen Input zum sprachsensiblen Unterricht im schulischen Kontext bekamen, der sich gezielt mit einem bestimmten naturwissenschaftlichen Fach befasste und uns die Möglichkeit bot, uns näher mit dem theoretischen und praktischen Aspekt des Fachunterrichts zu beschäftigen.

Zudem haben wir die Perspektive von der Antidiskriminierungsstelle erfahren und zwar, was sich mit dem Zuzug von Neumigrierten und Zugewanderten in der Stadt und Region zugetragen hat und was das konkret für die städtische Arbeit bedeutet.

Der angekündigten Werkstatt gingen zwei Vorträge in der semesterübergreifenden Begleitreihe »mittwochs um vier« voraus. Der Vortrag am 10.01.2018 setzte sich mit Mythen der Mehrsprachigkeit auseinander und der am 11.01.2018 sprach ein Plädoyer für solidarische Bildung aus.

ABLAUF DER WERKSTATT

(a) Schreiben in der Bildungssprache Deutsch
(Kristin Tschernig)

Den Auftakt der Veranstaltung bildete Kristin Tschernig vom Projekt Leibniz-Prinzip mit ihrem Thema »Schreiben in der Bildungssprache«. Neben einer Einführung in die verschiedenen Sprachregister sowie ihre jeweiligen Funktionen und Verwendungsformen, fokussierte sich die Vortragende auf die Bildungssprache und die mit ihr einhergehenden Anforderungen. Dabei sollte bedacht werden, dass in den Schulen die Vermittlung der Bildungs-/Fachsprache, gerade auch in naturwissenschaftlichen Fächern, ein notwendiges Ziel sei. Zur Verdeutlichung erarbeitete das Plenum verschiedene Lösungen einer Physikaufgabe und untersuchte diese auf ihre bildungssprachlichen Merkmale.

Gerade die Naturwissenschaften in den Schulen besitzen eine reiche Bildungssprache.
Tschernig im Vortrag

(b) Diskriminierung: Risiken und Schutz in Hannover: Was tun für eine diskriminierungsfreie Stadt?!
(Peggy Zander)

Den zweiten Input der Januarwerkstatt gab Peggy Zander von der Antidiskriminierungsstelle Hannover. Wann wird jemand diskriminiert und wie können wir, du und ich damit umgehen? Wo kann Hilfe gefunden werden und wie wird rechtlich mit Diskriminierungsfällen umgegangen? Diese Fragen können einerseits durch das vor über zehn Jahren in Kraft getretene bundesrepublikanische Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) beantwortet werden. Aber auch die Praxiserfahrungen der Referentin boten ein breites Spektrum an interessanten Einblicken in die Tätigkeitsfelder der Antidiskriminierungsstelle in Hannover. Zum Ende wurde dem Plenum die Möglichkeit geboten, sich selbst mit einigen Fällen auseinanderzusetzen und diese vorzustellen.

Wichtig ist nicht, ob jemand dich diskriminieren wollte, sondern ob du dich diskriminiert fühlst!
Zander im Vortrag

(c) Unterstützende Sprachangebote: Lehrwerke, Improvisation und mehr 
(Radhika Natarajan)

Die Einführung in den zweiten Teil der Blockveranstaltung bot die aus den eigenen Reihen stammende Radhika Natarajan. Ganz dem Werkstattcharakter entsprechend, arbeitete die Vortragende gemeinsam mit dem Plenum grundsätzliche Ziele und Methoden der DaF/DaZ (Deutsch als Fremd- und Zweitsprache) Vermittlung heraus. Hierzu wurden den Werkstattteilnehmenden unterschiedliche Lehrwerke ausgehändigt, welche nach ausgiebiger Zeit vorgestellt und besprochen wurden. Damit jedoch die Methodenvielfalt der Sprachvermittlung nicht außer Acht gelassen wird, wurden seitens der Vortragenden auch noch musikalische Aufgabentypen aufgegriffen. Mit dem Lied »Wie geht´s und wie ist das Wetter« können typische Phrasen der Alltagskommunikation eingeführt, durch das Mitsingen spielerisch erlernt und ganz dem »Ohrwurm« gemäß längerfristig behalten werden.

Wie geht’s und wie ist das Wetter?
Liedtext für den Sprachunterricht

(d) Geflüchtetsein: Ein theaterpädagogischer Zugang 
(Mihaela Iclodean)

Mihaela Iclodean vom Niedersächsischen Staatstheater weiß, dass sich Sprache nicht nur verbal äußert, sondern dass der Körper eines ihrer wichtigsten Instrumente bildet. Warum dann nicht auch diesen bei der Sprachvermittlung einsetzen? Mit praktischen Tipps und spielerischen Zugängen zeigte die Theaterpädagogin unseren Teilnehmenden facettenreiche Übungen, die sich gut in der Arbeit mit Geflüchteten einsetzen lassen. Das »Spiegelspiel« sowie das »Bewegen zur Musik« können ganz ohne Worte durchgeführt werden. Aber auch ein Vokabeltraining lässt sich pantomimisch erfassen und in interaktiven Übungen, wie dem »Silbenwerfen«, vertiefen. »Einige Übungen kann man gut ausbauen und der eigenen Unterrichtsklasse entsprechend anpassen«, merkte eine Teilnehmerin der Werkstatt während der Reflexionsphase an. Anschließend wurden die jeweiligen Übungen auf ihre Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht hin analysiert. Mihaela Iclodean hat es auch diesmal wieder geschafft, die Teilnehmenden durch simple und spaßige Übungen aufzulockern und sich näherzubringen.

Wenn ich dann auf die Bühne trete, dann bin ich da, dann bin ich authentisch.
Iclodean im Workshop

(e) Einführung in das Asylrecht
(Mirko Widdascheck)

Mit Einblicken in die rechtlichen Grundsätze des Asylrechts beendete Mirko Widdascheck mit seinem Vortrag die Januarwerkstatt. Der Referent konnte aus seiner Tätigkeit in der Refugee Law Clinic berichten und anhand dieser Erfahrungen das Asylrecht und die Schwierigkeiten, die sich im Umgang mit diesem ergeben, ausführlich vermitteln. Auch Nichtjurist_innen wurde dadurch die Möglichkeit gegeben, in die Welt der Paragraphen einzutauchen. Vor allem die Thematik des Familiennachzuges und die Folgen für die in Deutschland lebenden Geflüchteten boten Aufklärungsbedarf. Warum dürfen Geflüchtete mit einem subsidiären Schutzstatus ihre Familien nicht nachholen, während ihnen das vor drei Jahren noch möglich war? Mit welchen Institutionen kommen diese Menschen in Berührung und welche Rechte stehen ihnen zu? Dank Mirko Widdascheck hat sich die eine oder andere Frage der Teilnehmenden klären können.

(Resümees verfasst von Siham Schotemeier)

Der Familiennachzug ist ein Recht der Geflüchteten  
Widdascheck im Vortrag