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Mein Praktikum an einer Einrichtung für für blinde und sehbeeinträchtigte junge Frauen in Nanganallur (Tamil Nadu) Indien

 Mein Name ist Anna, ich bin 21 Jahre alt und studiere Sonderpädagogik auf Lehramt im 2. Mastersemester. Vor nun fast zwei Jahren bin ich für zwei Monate nach Indien, Nanganallur (Tamil Nadu) gereist, um dort von Mitte August bis Mitte Oktober ein Praktikum an einer Einrichtung für blinde und sehbeeinträchtigte junge Frauen namens „SRRCT“ (Sri Rajeswari Radhakrishnan Charitable Trust) zu absolvieren. Der Kontakt wurde mir über den Hochschulberater der International Offices, Herrn Bala Ramani, vermittelt. In der Einrichtung durfte ich die jungen Frauen zur Universität begleiten, ich durfte mir verschiedene Schulen sowie Heime und Tagesstätten für behinderte Menschen ansehen und teilweise selbst unterrichten.

Darf ich Dir drei Fragen zu Deinem Praktikum in Indien stellen, liebe Anna?

Was hat Dich bei Deinem Praktikum überrascht?

Durch das Praktikum bin ich erstmals in näheren Kontakt mit blinden und sehbeeinträchtigten Menschen gekommen, was mich unglaublich fasziniert hat und meine weitere berufliche Orientierung beeinflusst hat. Positiv überrascht hat mich dabei die allgegenwärtige Lebensfreude und Zufriedenheit der jungen Frauen in der Einrichtung sowie allgemein in der Umgebung. Ich wurde unglaublich gastfreundlich aufgenommen. Überrascht und schockiert hat mich zunächst der Straßenverkehr in Indien. Die Busse fahren mit offenen Türen – alle fahren kreuz und quer. Trotz Führerschein hätte ich mich nie im Leben dort in ein Auto gesetzt. Jeder Schritt aus der Einrichtung war somit ein Abenteuer! 

Was war die größte Herausforderung?

Definitiv forderte mich mit meiner hellen Haut das Klima heraus. Es war zu Beginn fast 40°c warm. Im Laufe der Zeit wurde es „kühler“. Ebenso war der Tagesrhythmus eine Umstellung: Mein Wecker klingelte gegen 5 Uhr morgens, was mit der Zeit jedoch immer besser zu bewältigen war. Allgemein war es für mich im positiven Sinn eine Herausforderung, die täglich neuen Eindrücke zu verarbeiten. Ich habe mich auf die indische Kultur Tag für Tag mehr einlassen können und einen tiefgehenden Einblick von ihr gewonnen. Ich habe indische Kleidung getragen, sie per Hand gewaschen, im Schneidersitz von Bananenblättern gegessen, Reis gefrühstückt, zahlreiche Festlichkeiten miterlebt – ich dufte sogar hinduistische Tempelzeremonien mitfeiern. Die Kommunikation lief weitgehend problemlos. Wenn Englisch keine Option war, habe ich mich mit Händen und Füßen verständigt. Der Leiter der Einrichtung hat sehr darauf geachtet, dass ich nicht allein das Haus verlasse. Damit war ich teilweise in meiner Mobilität eingeschränkt, fühlte mich aber immer sicher in Begleitung.

Was war Dein schönstes Erlebnis?

Mein schönstes Erlebnis war ein Wochenendausflug mit der Einrichtung zum Meer. Mit langen Klamotten liefen wir am Strandufer durch die Wellen. Anschließend haben wir uns einen großen Tempel angesehen und zusammen gegessen. An einem weiteren Wochenende habe wir ein Dorf besucht, dass vor kurzem von der Flut zerstört wurde und nun den Wiederaufbau zelebrierte. Dieser Ausflug zählte ebenso zu den besonderen Momenten.